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Diese Ansicht vertritt die Schriftstellerin Silvia Tschudi im Interview mit dem Tages-Anzeiger vom 11.06.2021

 

Die Interviewerin: "Sie schreiben überzeugend über Gewalt. Was fasziniert Sie daran?"

 

Silvia Tschudi: "Gar nichts. Gewalt ist moralischer Totalbankrott. Ein Zeichen idiotischer Schwäche. Peinliche Würstchen brauchen Gewalt. Aber sie existiert. Jeder von uns ist zu Empathie und zu Brutalität fähig."

 

Kommentar: Die ersten drei Sätze von Frau Tschudi siganlisieren ihre Empörung über Gewaltausübung. Der letzte Satz ist wiederum ist Einsicht in die menschliche Natur. Aber - Gewalt ist kein moralischer Bankrott sondern die ethische Nachtseite des Menschen. Wie schreibt der Psychologe Leopold Szondi, der Schöpfer der Schicksalsanalyse, in seinem Buch "Triebdiagnostik"? "Der Mensch kommt mit einer ethischen Doppelnatur zur Welt. Er kann anlagemässig sowohl das Böse wie auch das Gute wählen und tun."  Jeder von uns ist zu Gewalttaten fähig, und muss nicht mal ein peinliches Würstchen sein.

Tags: Gewalt, Szondi, Ethik, Triebdiagnostik, Silvia Tschudi